LagenCup Weiß 2021

Jungwinzer des Jahres

Stefan Bietighöfer

Weingut Bietighöfer - Pfalz

Beim diesjährigen LagenCup Weiß 2021, mit ausschließlich weißen Lagenweinen aus Deutschland, wurden mehr als 700 Spitzengewächse verkostet. Die 10-köpfige Jury, bestehend aus Weinjournalisten, Sommeliers und Weinhändlern widmete sich fünf Tage lang den Weinen. Wie immer wurde die Verkostung blind durchgeführt, kontrovers diskutiert und nach der 100-Punkte-Skala bewertet.

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Foto: Weingut Bietighöfer

Text: Peter Jakob

Südlich von Landau, auf der Strecke nach Schweigen, befindet sich Billigheim-Ingenheim. Ein Ort, den die meisten Weinfreunde nicht auf dem Radar haben. Während die Namen der großen Lagen der Mittelhardt auf manchem Etikett schon den Reiz ausmachen, kennt kaum jemand die Lagen Venusbuckel oder Sauschwänzel. Hier befindet sich das Weingut Bietighöfer – im „Südpfälzer Hinterland“, wie es Stefan Bietighöfer nennt. Wenn ein Winzer keinen Zugriff auf Lagen mit großen Namen hat, dann ist er noch stärker gezwungen sich auf seine Weinberge und seine Weine zu konzentrieren. Eine bekannte Lage macht noch keinen großen Wein – aber sie macht einiges einfacher.

 

Seit dem 17. Jahrhundert betreibt die Familie hier Weinbau. Stefan Bietighöfer stellt die sechste Generation dar und hat das 40 ha Rebfläche umfassende Weingut mit akribischer Arbeit in den Blickwinkel der Liebhaber guten Weines gerückt. Die Weinberge werden biodynamisch bewirtschaftet, was eine echte Herausforderung bei der Größe des Betriebs darstellt. Aber die Arbeit zahlt sich aus. Biodynamischer Weinbau mag von manchem belächelt, von anderen gefeiert werden. Egal wie man dazu steht, diese Arbeitsweise verpflichtet den Winzer, sich mit einer Intensität um seine Reben zu kümmern, die außergewöhnlich ist. Es ist bedingt viel Arbeit, Zeit, erzeugt Kosten. Aber dieser Aufwand wird belohnt. Wenn ein Rebstock in einem lebendigen Boden mit einer intakten Umwelt interagiert, wenn die Balance sich auf natürliche Weise einpendelt, dann kann man Trauben lesen, die diese Balance in die Flasche transportieren. Dann spielt die vermeintliche Größe der Lage eine untergeordnete Rolle. Der Wein brilliert für sich.

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Aber es ist nicht nur die Arbeit im Weinberg, die einen großartigen Wein bedingt. Es gehört viel Verständnis für die Rebsorten dazu und die Art und Weise sie zu lesen und zu bearbeiten. Das berühmte „kontrollierte Nichtstun“ im Keller hilft nichts, wenn man nicht den richtigen Lesezeitpunkt findet. Unreife bleibt, genauso wie Überreife. Dazu kommt, dass man eine Idee haben muss, wie eine Rebsorte bestenfalls schmecken sollte. Der von uns als „Bester Sauvignon Blanc 2019“ ausgezeichnete Sauvignon Blanc Grande Reserve wurde von der Jury beschrieben, als hätte man einen großen Wein von der Loire im Glas. „Typisch Sauvignon alte Welt, vegetabil, etwas Pyrazin, Tomatengrün“ wurden identifiziert, die Integration des Holzes gelobt, der Wein als „leicht fruchtig“ gesehen. Was nicht verwunderlich ist, hat Stefan Bietighöfer doch bei besten Betrieben der Loire gearbeitet. Schon diese Entscheidung, Erfahrungen in Sancerre und Pouilly Fumé zu sammeln, drückt aus, dass Stefan Bietighöfer Sauvignon Blanc in einem klassischen Sinne interpretiert. Der Einsatz von 500 Liter Tonneaus gibt dem Wein Rückgrat, Komplexität, sorgt jedoch nicht für eine intensive Holzparfümierung. Wie im Weinberg gilt es auch im Keller eine Balance zu finden, die dem Wein gerecht wird.

Dass Stefan Bietighöfer dieses tiefere Verständnis für die Rebsorten im Allgemeinen hat, zeigten auch der Chardonnay und der Weißburgunder aus der Grande Reserve Linie. Ein Chardonnay, bei dessen Jurybeschreibung man direkt an Burgund denkt. Die „knackige Säure“ gepaart mit Cremigkeit, der zitrische Charakter mit gelbfruchtigen Noten, die „gute Balance zwischen Frucht und Holz“. Und die Beschreibung des Weißburgunders verdeutlicht auch, dass hier nicht an einen Chardonnay im Pinot Blanc Mantel gedacht wurde, sondern, dass der Fruchtcharakter des Weißburgunders im Zentrum steht, der diese Rebsorte auszeichnet.

All dies hat uns bewogen, Stefan Bietighöfer, der sich selbst als „Mid-Ager“ bezeichnet, als „Jungwinzer des Jahres“ auszuzeichnen. Vielleicht mag dies wie ein Widerspruch klingen. Die Kategorie umfasst alle Winzer bis 35 Jahre, die hauptverantwortlich in ihrem Betrieb arbeiten. Und in diese Kategorie fällt er. Jetzt muss er sich vielleicht etwas jünger fühlen, als er sich selbst definiert. Und das wunderbare ist, dass wir noch viele Jahrgänge von ihm erleben werden dürfen. Gratulation! Wir freuen uns auf die nächsten Jahrzehnte!

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Fotocredit: Andreas Durst, Weingut Bietighöfer

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