LagenCup Weiß 2020

 

Ergebnisse - Sonderkategorie 10 Jahre gereift

LAGENCUP Weiß 2020
Die besten Weißweine

Deutschlands wurden gekürt

Die 10-köpfige Jury des LagenCups, bestehend aus Weinjournalisten und Top-Sommeliers, schloss sich freiwillig sechs Tage in Berlin ein, um die angestellten Weine zu verkosten und zu bewerten. Mehr als 200 Top-Weingüter des Landes meldeten 700 Lagenweine beim diesjährigen LagenCup Weiß 2020 an. Aufgeteilt in zwei 5er Teams, verkostete die Jury die Lagenweine blind und nach dem 100-Punkte-Schema. Der LagenCup ist ein Berliner Weinwettbewerb, der sich ausschließlich den Lagenweinen widmet und vom Sommelier Serhat Aktas organisiert wird

Als sogenanntes »Arschjahr« machte der Jahrgang 2010 schon bald nach dem Abschluss der Lese in Deutschland von sich reden. Und tatsächlich waren die Bedingungen vom Austrieb bis zur Ernte alles andere als glücklich. Das Frühjahr war lange zu kalt, Regen fiel im Verlaufe mehr als reichlich, der Sommer wollte nicht recht Fahrt aufnehmen und schließlich sparte auch der goldene Oktober an sonnigen Tagen. Da waren viele Weine noch gar nicht gefüllt, als der Jahrgang von vielen Experten bereits abgeschrieben war.

Dünne Säuerlinge oder saure Dünnlinge

In der Mehrheit seien entweder dünne Säuerlinge oder entsäuerte Dünnlinge zu erwarten, so die damalige Prognose. Und natürlich gab es die auch. Was es aber ebenso gab, waren eindrucksvolle Weine, deren Potenzial sich erst einige Zeit nach ihrer Füllung offenbarte. Wenn es in den letzten Jahren für die Winzer vermehrt darum ging, die Reife der Trauben im Zaum zu halten, freute man sich vor zehn Jahren noch über jeden trockenen Tag, über jede Sonnenstunde, über jedes Grad Oechsle mehr. Wurden 2010 viele Moste etwa mit Doppelsalz entsäuert, müssen sie heutzutage viel öfter angesäuert werden, um jene Frische in den Weinen zu erzeugen, die das Klima nicht mehr hergibt. In zehn Jahren hat sich die Weinlage dramatisch verändert. Galt der 50. Breitengrad die längste Zeit als nördlichste Grenze für den Weinbau, wird der Riesling in manchen Jahren nun selbst in Schweden reif.

Säure gab es 2010 reichlich, was es brauchte: Zucker, Extrakt, Mineralstoffe.

Natürliche Mostsäuregehalte von neun Promille und mehr waren beim Riesling 2010 eher die Regel als die Ausnahme. Vollbrachten es die Winzer in diesem Jahr zudem, dass die Trauben ausreichend Zucker, Extrakt und Mineralstoffe einlagern konnten, stand einem großen Wein eigentlich nichts mehr im Wege. Entsäuert werden musste in diesem Fall dann höchstens mittels der sogenannten malolaktischen Gärung, die allzu spitze Apfelsäure in weiche Milchsäure umwandelt. Ein Vorgang, der natürlicherweise im Frühjahr nach der Lese und steigenden Temperaturen einsetzt, vom Winzer allerdings auch mit entsprechend selektionierten Bakterien provoziert werden kann. Verläuft dieser Prozess allerdings zu schnell, läuft der Wein Gefahr, ein Joghurt-ähnliches Aroma zu entwickeln, das mit zunehmender Reife penetrant in den Vordergrund treten kann.

Was damals zur Güte beitrug, verkehrt sich heute ins Gegenteil

Ob im Rheingau, an der Mosel, in Rheinhessen oder in der Pfalz: Deutschlands Grand Cru-Lagen orientierten sich an einem vergleichsweisen kühlen Klima. Die Auswahl des Weinbergs für einen Spitzenwein erfolgte nach seiner Sonnenexposition, die Nähe zu einem Fluss, der weitere Sonnenergie reflektierte und der Bodenart, die umso dunkler auch umso mehr Wärme zu speichern imstande ist. Was bis Anfang des 21. Jahrhunderts den Trauben zur Reife verhalf, verkehrt sich nun Jahr um Jahr ins Gegenteil. Vor allem dem Riesling wird es in vielen Jahren zu trocken und heiß. Um sein Aromapotenzial voll auszuschöpfen, benötigt er viel Zeit. Wenn die Winzer 2010 bei der Ernte ihrer wenigen verbliebenen Trauben gestöhnt, die Kritiker den Jahrgang (vorschnell) totgeschrieben haben, ist das Jahr womöglich das letzte, dem deutscher Wein die Bezeichnung »cool climate« zugebilligt werden kann. Syrah, Merlot oder Cabernet Sauvignon gelangen in den südlichen Anbaugebieten fast jedes Jahr zur vollständigen Reife, während sich Deutschlands Vorzeigesorte, der Riesling, immer schwerer mit der Klimaerwärmung tut. Freuen wir uns also über Weine, die heute ein bisserl wie aus einer längst vergangenen Zeit daherzukommen scheinen, obwohl sie nur eine lächerliche Dekade reif sind. Die Zeitlinie hat an Fahrt aufgenommen. Für manche Rebsorte könnte es hierzulande in naher Zukunft vielleicht keine mehr geben. 2010 hat das Zeug, in die deutsche Weinbaugeschichte einzugehen. Als einer der letzten Jahrgänge mit natürlicher Rasse und einem Genussfenster, das sich bei seinen Besten erst viele Jahre nach ihrer Füllung zum ersten Mal öffnet.                            

Top-Ten-Sieger

 

Sieger Weingüter Karthäuserhof und Aldinger

 

2010 Eitelsbacher Karthäuserhofberg, Riesling GG, Weingut Karthäuserhof, MOSEL

Dass es ein Riesling von der Ruwer in die Top Ten der besten Weine aus dem Jahrgang 2010 schafft, mag zunächst wenig erstaunen. Schließlich gelten die Weine von Mosel, Saar und Ruwer seit jeher als Tropfen mit enormem Reifepotenzial. Dabei waren es allerdings in den allermeisten Fällen rest- oder edelsüße Gewächse, die weltweit für Furore sorgten und auf den Weinkarten der Welt zu Höchstpreisen feilgeboten wurden. Der 2010er Karthäuserhofberg ist mit seinen rund neun Gramm Restzucker ein für moselanische Verhältnisse ziemlich trockener Riesling, dem immerhin knapp neun Promille Säure entgegenstehen. »Jugendlich!«, notierte ein Verkoster, was im Kontext einer Dekade Reife nurmehr als Lob verstanden werden kann. Auch die anderen Verkoster sparten nicht mit Aromen aus der exotischen Früchtekiste, warfen »Mango, Ananas und Sultaninen« in den Ring und fanden am Ende doch noch etwas würzige Reife, die sie als »sanften Petrolton« interpretierten.

(95 Punkte)

 

2010 Fellbacher Lämmler, Riesling GG, Weingut Aldinger, WÜRTTEMBERG

Wenn das mal kein Paukenschlag ist. Und obendrein eine Empfehlung für bestens organisierte Blindproben mit kompetenten Verkostern. Ob die nun alle Tassen im Schrank hatten, einen Riesling aus Württemberg, wir wiederholen: aus Württemberg(!) zum besten 2010er zu küren, ist nur ein weiteres Indiz dafür, wie tief das Anbaugebiet in den letzten Jahren unter seinem Radar geflogen ist. Ziehen wir alle Ergebnisse des diesjährigen LagenCup Rot und Weiss in Betracht, können wir nicht anders, als Württemberg zu einer der besten Herkünfte für Spätburgunder, Lemberger und Riesling zu zählen. Im Ländle wurden die Waffen geschärft, ohne sie aufzurüsten. Auf traditionelle Rebsorten legen die Winzer bis heute großen Wert, verwehrten sich jedoch auch nicht vor Experimenten. Das Weingut Aldinger konnte beim LagenCup Rot vor ein paar Monaten bereits mit seinem 2010er Lemberger aus dem Lämmler in den Top Ten glänzen. Nun zeigte auch der Riesling aus gleicher Lage gewaltiges Potenzial: »Wirkt sehr jugendlich, gelbe und tropische Früchte, nur ein Hauch Petrol« vermerkte ein Juror, während ein anderer »getrocknete Früchte, Honig nebst einer hochfeinen Säure« wahrnahm. Machen wir es also kurz und formulieren sachlich: Württemberg ist der kommende Wein-Star in Deutschland. Er glüht. Wer ihn nicht sieht, muss blind sein. (95 Punkte)

 

2010 Endinger Wihlbach, Grauburgunder Spätlese trocken, Weingut Knab, BADEN

Der Grauburgunder aka Pinot Grigio hat es hierzulande in den letzten Jahren wirklich nicht leicht. Während Weine dieser Sorte, die irgendwann einmal vermutlich aus einer spontanen Kreuzung von Weiß- und Spätburgunder entstanden ist, einerseits von den Kunden im Fachhandel bis zum Discounter zielstrebig aus den Regalen und Onlineshops gekauft werden, hat die sogenannte Weinszene in Deutschland bedauerlicherweise viel zu selten freundliche Worte für den Grauburgunder übrig. Woran das liegt, ist an dieser Stelle nicht zu besprechen. Das Intro macht aber alles klar: In die Top Ten der zehn Jahre gereiften Weißweine hat es ein Grauburgunder geschafft. Weinintellektuell sagt man dem Grauburgunder doch meist kein besonders ausgeprägtes Reifepotenzial nach. Spätestens ab den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts eiferte er beinahe ausnahmslos seinem erfolgreichen Bruder Pinot Grigio hinterher. Dabei verlor er sich bisweilen. Das Weingut Knab blieb sich treu. Auch in Baden war die Witterung 2010 vergleichsweise kühl, was vielleicht mit der Aussage »mega Säure« eines Verkosters treffend erkannt wurde. Weitere Zitate aus der netten Runde: »sehr lebendig«, »vorzügliche Reife« oder »fast schon sexy die Struktur«. Was immer letzteres auch heißen mag. (95 Punkte)

 

2010 Siefersheimer Heerkretz, Riesling GG, Weingut Wagner-Stempel, RHEINHESSEN

2010 hatten die Winzer nicht viel zu lachen. Das Jahr begann nasskalt und sollte bis zum Herbst auch nicht viel besser werden. Niederschläge gab es mehr als reichlich. Der Oktober war nur an wenigen Tagen golden. Die wenigen Trauben, die zu dieser Zeit noch in den Anlagen hingen, konnten fehlende Reife bisweilen noch aufholen. Auch Daniel Wagner pokerte bis zum Schluss. Ein veritabler Teil der Ernte fiel den widrigen Wetterbedingungen zum Opfer. Um reife und gesunde von unreifen und kranken Trauben zu trennen, bedurfte es einer peniblen Selektionsarbeit im Weinberg. Danil Wagners Team muss in diesem Jahr exzellente Sisyphos-Arbeit geleistet haben. Denn die 2010er Heerkretz dreht jetzt, nach zehn Jahre Reife, erst richtig auf. »Stramme Säure« bemerkte ein Juror und macht damit deutlich, wie dominant diese in der Jugend des Weines einmal gewesen sein muss. Die Reife steht der Heerkretz jedenfalls ganz ausgezeichnet zu Gesicht, wenn ihre Bodenwürze jetzt nach und nach zu aromatischer Geltung kommt und der Säure köstliches Paroli bietet. »Fraglos ein großer Riesling, der seinen Zenit noch lange nicht erreicht hat«, fasste es ein Verkoster treffend zusammen. (94 Punkte)

2010 Hochheimer Hölle, Riesling Erstes Gewächs, Weingut Künstler, RHEINGAU

Bei einem Weinberg, der den Namen »Hölle« trägt, sollte man annehmen, dass der auf die schwierigen Bedingungen anspielt, um ihm am Ende reife Trauben abzuringen. Tatsächlich liegt sein Ursprung im mittelhochdeutschen Wort »Halde«, was so viel wie steiler Berg bedeutet. Dabei kann die Arbeit auf dem tonig-lehmigen und enorm steilen Terrain für den Winzer in manchen Jahren durchaus auch mal zur Hölle werden, damit die Weine am Ende nur umso himmlischer geraten. Rund ein Jahrzehnt nach seiner Lese finden sich in den Verkostungsnotizen der Jury kaum Beschreibungen, die einen reifen Riesling vermuten lassen. Vielmehr ist von »Physalis, Kiwi und getrockneter Aprikose« die Rede, was Anlass zur Vermutung gibt, dass die Frucht bei der 2010er Hölle noch immer eine wichtige, wenn nicht gar die Hauptrolle spielt. Den trockenen Rieslingen aus dem Rheingau wird immer wieder der Vorwurf gemacht, sie seien in ihrer Geschmackskategorie zuweilen zu süß. Künstlers Hölle hat laut Analyse rund sieben Gramm Zucker im Gepäck. Die mögen in der Jugend des Weines etwas allzu Schmeichelndes gehabt haben. Doch mit jedem Jahr, dass dieser köstliche Riesling nun heranreift, ist es jene Süße, die seine Frucht und am Ende auch seine Balance hält. Von schmeichelnder Süße kann beim 2010er keine Rede sein. (94 Punkte)

2010 »Wellenkalk« Retzstadter Langenberg, Silvaner, Weingut Rudolf May, FRANKEN

Als Rudolf May seinen Silvaner aus dem kalkreichen Retzstadter Langenberg 2010 erntete, sollte es noch vier Jahre dauern, bis das Weingut schließlich im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP), dem Club der vermeintlich besten Weingüter Deutschlands, aufgenommen wurde. Heute zählen die Silvaner von May zu den besten des Landes. Seine Weinberge liegen, etwas übersehen, im Norden von Würzburg, sind aber nicht weniger spektakulär. Von kargen Böden geprägt und steil abfallend, bieten sie beste Voraussetzungen für den Anbau von mineralisch und säurefokussierten Silvanern. Die Sorte macht mit rund 60 Prozent dann auch den Löwenanteil der Anbaufläche der Mays aus. Rudolf May wird mittlerweile von seinem Sohn Benedikt in Weinberg und Keller tatkräftig unterstützt. Seit 2015 arbeitet das Weingut nach den biologischen Richtlinien des »Naturland« Verbands. Was ein Verkoster mit der Notiz »feine Oxidationsnote« meinte, dechiffrieren wir an dieser Stelle einmal mit »delikater Würze«. »Bratapfel, Maracuja und saftige Säure« standen bei den Juroren ebenfalls hoch im Kurs. Womit eines ein weiteres Mal klar geworden sein muss: Silvaner hat das Zeug für eine delikate Reife.

(94 Punkte)

2010 »Alte Reben« Westhofener Morstein, Riesling, Weingut Seehof, RHEINHESSEN

»Mit den 2010er Weinen hat der junge Florian Fauth (…) zu den besten Betrieben aufgeschlossen (…)«, urteilte das Genussmagazin »Der Feinschmecker« 2012. Wie recht die Redaktion mit ihrer damaligen Aussage hatte, konnte die Jury des LagenCups nun rund acht Jahre später mehr als nur nachvollziehen. Fauths 2010er Riesling aus dem kalkreichen Morstein im südlichen Wonnegau kommt mit »süßen und reifen Gelbfrüchten« daher und zeigt neben »dezenten Reifetönen eine knackige Säure«, gaben die Juroren kund. Während Florian Fauth für die Arbeit im Keller verantwortlich zeichnet, kümmert sich sein Vater Ernst bis heute um die Rundumversorgung der Weinberge. Auf rund 16,5 Hektar ist die Fläche mittlerweile angewachsen, auf der nicht nur Riesling und Burgunder angebaut werden, sondern auch der Scheurebe ein veritables Fleckchen in besten Parzellen eingeräumt wird. Wenn der LagenCup also dermaleinst einen Wettbewerb mit Bukett-Rebsorten auslobt, sollte zumindest eine Scheurebe vom Seehof mit an Bord sein. Sie dürfte sich bestens schlagen. Fauths trockener Riesling aus dem Morstein indes ist eine sicherere Bank – und ein köstlich reifender Wein. (94 Punkte)

2010 Bissersheimer Goldberg, Riesling Erstes Gewächs, Weingut Zelt, PFALZ 

Der Name ist uns gerade entfallen. Jedenfalls war es ein bekannter Journalist, der den Jahrgang 2010 damals als »Arschjahrgang« tituliert hat. Was insofern korrekt ist, als dass die Bedingungen für exzellente Weine in diesem Jahr alles andere als perfekt waren. Womöglich markierte 2010 das erste Jahr der jüngsten Weinzeitrechnung, in der es darum ging, der Entwicklung der Reben in ihren Lagen größtmögliche Aufmerksamkeit zu schenken. Da musste auch mal der langgebuchte Sommerurlaub ins sprichwörtliche Wasser fallen, weil die Natur und nicht der Kalender den Takt vorgab. Zelts 2010er aus dem kalkreichen Goldberg kam der Jury auch vermutlich deshalb so vorzüglich gereift daher, weil der Winzer und sein Team Enormes in diesem schwierigen Jahr im Weinberg geleistet haben müssen. Dass der Goldberg deliziöse Reife zeigt, machen die Anmerkungen der Juroren deutlich. Häufig genannt wurden »Datteln, Nektarine und Honigmelone.« Mit rund 8 Promille Säure fiel Zelts Riesling aus 2010 ziemlich knackig aus. Sie wird ihn weiterhin jung halten – über viele weitere Jahre. (93 Punkte)

2010 Casteller Schlossberg, Silvaner GG, Fürstlich Castell’sches Domänenamt, FRANKEN

Wenn es ein Silvaner in die Top Ten der feinsten gereiften Gewächse in diese Liste schafft, mag das für den einen oder anderen eine Überraschung sein. Eine, die sich in den letzten Jahren viel Zeit genommen hat, um sein Ansehen wieder dorthin zu torpedieren, wohin es gehört: An die Spitze Deutschlands. Hinter vorgehaltener Hand erzählt man sich neuerdings, dass die Zukunft der traditionellen deutschen Weißweine im Silvaner liegt. Was abzuwarten ist. Beim Casteller Schlossberg notierte die Jury eine »Mega-Combi aus heimischen und exotischen Früchten« und konnotierte die vermeintliche Reife mit »reifer Würze und einer feinen Bitteren im Finish.« Die Weinbautradition im Hause Castell reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. 1659 wurden in ihre Gemarkungen die ersten urkundlich vermerkten Silvaner-Reben gepflanzt. An der Domäne –so scheint es – sind fast sämtliche Moden mehr als weniger vorbeigegangen. Wenn ihre Silvaner in ihrer Jugend auch manchmal als entweder zu süßfruchtig oder zu verschlossen beschrieben werden, ist das längst noch kein treffendes Urteil über ihr Potenzial. Nach zehn Jahren Reife belegt der Schlossberg eindrücklich, was in ihm steckt: »Grandioser Geschmack bei hocheleganter Struktur und hervorragender Länge«, notierte ein verzückter Experte. (93 Punkte)    

2010 Bissersheimer Goldberg »Schützenhaus«, Riesling, Weingut Wageck, PFALZ

Die Erfolgsgeschichte der Wageck-Weine begann mit dem Jahrgang 2012, als sich Frank und Thomas Pfaffmann dazu entschlossen, neben den klassischen Pfaffmann-Weinen, eine Premiumlinie auf den Markt zu bringen. Dass der Riesling aus der kalkreichen Premium-Parzelle Schützenhaus ins Luxussegment wandern wird, war schnell ausgemachte Sache. Peu à peu wird nun das gesamte Sortiment in den alten Weingutsnamen Wageck umfirmiert. Das Gewann Schützenhaus verdankt seinen Namen einem an dieser Stelle erbauten Trullo, den die Bissersheimer Schützenhaus nannten. 2010 waren die Reben rund 40 Jahre alt, der aus ihnen gewonnene Wein markierte die Spitze der trockenen Rieslinge im Pfaffmann Portfolio. Welch exzellentes Potenzial er besitzt, zeigte sich nun einmal mehr bei der LagenCup-Verkostung aus dem Jahrgang 2010. »Wunderbar reife Würze nebst saftiger Frucht und strahlender Säure« wusste ein Verkoster zu berichten, während ein anderer ihn als »zupackend und immer noch ungeheuer frisch« beschrieb. (93 Punkte)

2010 »Alte Reben« Niersteiner Hipping, Riesling, Weingut Georg Gustav Huff, RHEINHESSEN

Die als Rotliegendes bekannte Bodenformation, eine Hangneigung von bis zu 70 Prozent sowie eine südöstliche Exposition sorgen für ein sich rasch erwärmendes Mikroklima. Wiewohl auch die Winzer vom Roten Hang 2010 von den Unbilden der Natur nicht verschont blieben, konnten sie am Ende doch noch eine kleine Menge reifer und gesunder Trauben einfahren. Die Weinbaugeschichte der Huffs lässt sich rund 300 Jahre zurückverfolgen und ist bis heute ein klassischer Familienbetrieb. Während sich Dieter Huff um die Arbeiten im Weinberg kümmert, zeichnen seine Söhne Daniel und Stefan Huff für den Ausbau der Weine verantwortlich. Nach abgeschlossener Ausbildung als Weinbautechniker und Wanderjahren in Österreich und Australien war 2010 der erste Jahrgang, den Stefan Huff nach seiner Rückkehr in den elterlichen Betrieb begleitete. Eine Feuertaufe mit miserablen Wetterbedingungen. Um einen derart stolz gereiften Hipping zu erzeugen, muss die Familie an einem Strang gezogen haben. Ein Juror notierte: »Wunderbar saftige, fast süße Frucht wird von straffer Säure gekontert.« In ihrer Jugend wurden vor allem die Rieslinge wegen ihrer bisweilen massiven Säure getadelt. Zehn Jahre später, ist sie es, der die besten des Jahrgangs ihre jugendliche Frische zu verdanken haben. (93 Punkte)

 

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