LagenCup Rot 2022

Entdeckung des Jahres

Weingut Jean Buscher - Rheinhessen

Foto: Weingut Jean Buscher

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Entdeckung des Jahres 
Weingut Jean Buscher - Rheinhessen

Text: Peter Jakob

Nachhaltigkeit ist eines der größten Themen unserer Zeit und betrifft alle Bereiche, natürlich auch den Weinbau. Hier kann man verschiedene Wege gehen und manchmal trifft ein Weingut eine Entscheidung, die ganz andere Wege erfordert, als meist gegangen.

So auch beim Weingut Jean Buscher aus Bechtheim in Rheinhessen. Als Ende 2014 Raphael Buscher mit seiner Frau Nicole entschied, dass man Zwergschafe zu bestimmten Zeiten im Weinberg einsetzen wolle, um dort die technischen Eingriffe wie Traktorfahrten und die damit zusammenhängende Bodenverdichtung zu reduzieren, hatte dies eine Folge. Für Zwergschafe ist Kupfer hoch toxisch. Auf diese Weise ist kein zertifizierter Bioweinbau geschweige denn biodynamischer Weinbau möglich, da hier Kupfer und Schwefel das Handwerkszeug zur Krankheitsbekämpfung im Wingert sind. Also musste man sich neue Wege suchen. Und die gehen sie bei Jean Buscher bis heute.
Im Weinberg wird mit einer Dauerbegrünung gearbeitet. Ziel ist es, einen Naturkreislauf zu erhalten, durch den sich eine Umgebung schafft, in der sie „der Natur ihren freien Lauf lassen“ können, wie Raphel sagt. Auch werden verschiedene Pflanzenschutzmethoden der Biodynamik angewendet, die Raphael in seiner Zeit bei Maison Champy im Burgund kennengelernt hat. Es ist ja nicht so, dass es nur ein „entweder oder gibt“ – bei Jean Buscher wird ein ganz eigener Ansatz entwickelt.

In letzter Zeit wird mit effektiven Mikroorganismen experimentiert. Wenn man sich etwas mit diesen auch EM genannten Ansatz beschäftigt, scheint die Wirkung durchaus umstritten. Dennoch stellt sich häufig heraus, dass es zu positiven Ergebnissen führt. Sei es durch die EM selbst oder durch die Handlungen, die der Einsatz von EM mit sich bringt. Was Buschers auf jeden Fall festgestellt haben ist, dass es positive Auswirkungen auf die Pflanzenstärkung hat. Raphael beschreibt es so: „Wir scheren uns nicht um das Lehrbuch. Natur ist Natur. Wir beobachten und agieren, wenn notwendig“.
Auch wenn das Biosiegel aus Gründen des Schafwohls nicht zu erlangen ist, ist es nicht so, dass Buschers einfach nur „ihr Ding“ machen. Mit Partnerbetrieb Naturschutz und Fair And Green ist man in Nachhaltigkeitsprojekte eingebunden. Aber man will sich hier nicht nur über das Siegel definieren, sondern vielmehr „darüber was man tut“. Und da sei, wenn der Kreislauf der Natur stimmt, „weniger meist mehr“. Um zu wissen, wann eine Unterstützung notwendig ist, greift man auch auf tagesaktuelle Bodenanalysen zurück, um den Nährstoffgehalt und die Wasserversorgung der Weinberge im Blick zu haben. Dass ihr Handeln effektiv ist, haben sie dann schon 2018 gesehen, als die Junganlagen in diesem heißen Jahr nicht gegossen werden mussten. Die Natur hatte sich da schon reguliert.

Die Denkweise im Weinberg findet sich auch im Keller wieder, die Anzahl der Eingriffe hat sich deutlich reduziert. Für die Weine gelten ein langes Hefelager und keine Regulierung der Säure. Gerne wird auch mal mit Dreck und Speck vergoren, was schon 2017 zu einem langlebigen und tiefen Silvaner geführt hat. Durch eine höhere Zahl an ab Hof Kunden, können viele Schritte nur behutsam umgesetzt werden, um keine zu schnelle stilistische Veränderung zu erzielen. Aber bisher wurden alle Änderungen sehr positiv von den Kunden aufgenommen. Und es kann ja nicht von heute auf morgen alles geändert werden. Zum Leben des Winzers gehört nun mal, dass er nur einen Versuch pro Jahr hat. Da muss jeder Schritt, wie bei Buschers zu sehen, genau überlegt und sorgsam umgesetzt werden.


Zum Lagencup erhielten wir zwei Rotweine, die – wie immer blind verkostet – für Aufsehen gesorgt haben. Der 2018er Schwarzriesling aus dem Bechtheimer Geyersberg überzeugte die Verkoster durch seine komplexe Aromatik, die an Kirschen, Waldbeeren, exotische Gewürze und Süßholz erinnerte, die Jury goutierte die Frische des Weines mit seiner „vitalen Säure, einem feinen Gerbstoffbiss und einer angenehmen Herbe im Finale“. Ein Wein mit Spannung und Komplexität. Daneben stand noch der 2018er Spätburgunder aus dem Bechtheimer Stein. Die Jury fand eine unglaubliche Aromenwelt vor, die von Cassis und Kirschen über Pfeffer zu Cashewnüssen und Meersalz führte. Und es war wieder das elegante und frische, das diesen Wein in seinem langen Finish auszeichnete. Beide Weine sind ein exzellenter Grund, das Weingut Jean Buscher zur „Entdeckung des Jahres“ beim Lagencup zu küren. Herzlichen Glückwunsch!

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Foto: Weingut Jean Buscher

Rückblick auf den LagenCup Rot 2021

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