LagenCup Rot 2020

Ergebnisse - Sonderkategorie

Jahrgang 2010

LAGENCUP ROT 2020
Die besten Rotweine Deutschlands wurden gekürt

Anfang März machte sich eine hochkarätige Jury aus Sommeliers und Weinjournalisten an ihre dreitägige Arbeit, um die besten Rotweine Deutschlands ausfindig zu machen. Das Niveau der Weine war außerordentlich hoch.

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Top-Ten

Jahrgang 2010

Während die Weinwelt den deutschen Riesling in all seinen Facetten bejubelt, ist vom Spätburgunder vergleichsweise selten zu hören. Dabei hat sich seine Qualität in den letzten Jahren enorm verbessert – und Reifepotenzial besitzt er obendrein.

 

Einen Sonderpreis für den besten Rotwein des Jahrgangs 2010 auszuloben, ist schon deshalb heikel, weil die geringen Bestände bei vielen Winzern entweder bereist lange abverkauft sind oder als Raritäten in ihren Schatzkammern schlummern. Umso erfreulicher, wenn die für den LagenCup nun von so vielen Winzern geöffnet wurden. Umso mutiger, weil es sich bei dieser Verkostung einmal nicht um Riesling, sondern um Deutschlands rote Sorten drehte. Die überwiegende Anzahl der eingereichten Weine waren Spätburgunder. Und der hatte es 2010 wahrlich nicht leicht. Während beim Riesling ein gewisser Fäulnisanteil selbst für trockene Weine tolerierbar ist, bedeuten kranke Spätburgundertrauben den sicheren Weg in den Weißherbst.

Die Leistung ist nicht hoch genug einzuschätzen 2010 dürfte ein hervorragender Weißherbst-Jahrgang gewesen sein. Die Sonne zeigte sich selten, während sich vom Himmel nicht enden wollende Sturzfluten ergossen. Warm war er, weshalb Pilzkrankheiten keine Ausnahme, sondern zur Regel wurden. Die setzten vor allem dem dünnhäutigen Spätburgunder besonders zu. Ohne penibelste Selektionsarbeit im Weinberg und bei der Traubenannahme war in diesem Jahr kein Staat zu machen, von einem exzellenten Spätburgunder ganz zu schweigen. Die Leistung, die trotz dieser widrigen Umstände von so vielen Winzern erbracht wurde, ist deshalb nicht hoch genug einzuschätzen. Geradezu sensationell frisch und jugendlich präsentierten sich die besten Exemplare bei der LagenCup-Verkostung. Von Tertiär-Aromen war in den Verkostungsnotizen jedenfalls kaum oder gar nicht die Rede. So darf diese Probe auch als Beleg dafür gelten, dass Deutschlands Spätburgunder in den letzten Jahren nicht nur qualitativ zugelegt haben, sondern auch über ein enormes Reifepotenzial verfügen.

2010 Hochheimer Reichestal Spätburgunder, Weingut Künstler, RHEINGAU

Freilich bieten die kalkhaltigen Lösslehmböden im Reichestal beste Voraussetzungen für den Anbau von Burgundersorten. Die Böden erwärmen sich ebenso rasch wie mit einer langen und ausgeglichenen Reifephase zu rechnen ist. Die sorgt für aromatische Trauben mit saftiger Säure. Von allein macht sich der Wein dennoch nicht. Weil bei den Gewächsen von Gunter Künstler häufig vom Riesling die Rede ist, gerät seine hohe Burgunderexpertise bisweilen etwas in den Hintergrund. Tatsächlich hat Künstler in den letzten Jahrzehnten seinen eigenen Spätburgunder-Stil etabliert, den als kraftvoll-würzig zu beschreiben, sicherlich nicht ganz falsch ist. Klassische Reifenoten wie Aromen von Pilzen oder Unterholz konnte die Jury beim 2010er Reichestal beim besten Willen nicht ausmachen. Stattdessen war sie von einer »unverschämt saftigen Jugendlichkeit aus Cassis und Kirschen« regelrecht bass erstaunt und freute sich über eine »delikate Balance aus würzig anmutender Frucht und penibel polierten Gerbstoffen.« (95 Punkte)

2010 Fellbacher Lämmler Lemberger GG, Weingut Aldinger, WÜRTTEMBERG

Wer exzellente Beziehungen zum Weingut Aldinger unterhält, dürfte in letzter Vergangenheit womöglich in den Genuss jener Weine gekommen sein, für die Gert Aldinger einst belächelt wurde. Der pflanzte Cabernet und Merlot zu einer Zeit in seine Weinberge, als der Dornfelder seine größten Erfolge feierte. Das Reifepotenzial von Aldingers roten Cuvées ist mehr als beachtlich. Die Weine aus den neunziger Jahren präsentieren sich noch heute überraschend frisch. Da war es fast keine Überraschung, dass Aldingers Lemberger aus dem gewiss nicht einfachen Jahr 2010 ebenso vital wie athletisch daherkam. Von »wunderbar geschliffenen Gerbstoffen, frischer Säure und fabelhafter Körperstruktur« wusste die Jury zu berichten. Dass von gereiften deutschen Rotweinen selbst in Kennerkreisen nur selten die Rede ist, hat sicherlich auch damit zu tun, dass sein Aufstieg zu höchster Güte gerade erst begonnen hat. Württemberg hat bei dieser Entwicklung gleich zwei Eisen im Feuer und besitzt mit dem Lemberger so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal, dessen Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist. (94 Punkte)

2010 Walporzheimer Kräuterberg Spätburgunder GG, Weingut Meyer-Näkel-Hehle, AHR

Wenn ein Weinberg das Wörtchen Kräuter in sich trägt, liegt die Vermutung nahe, dass auch die dort wachsenden Weine solcherlei Aromen in sich tragen. Woher der Name dieser schiefergeprägten Lage stammt, ist nicht mehr exakt nachzuverfolgen. Womöglich haben die Römer neben Wein an dieser warmen Stelle der Ahr einst auch ihre mediterranen Gewächse angepflanzt und den Berg danach benannt. Wenn Meyer-Näkels Spätburgunder aus jenem Berg dennoch enorm kräuterwürzig daherkommt, hat das sicher auch mit den schiefrigen Böden zu tun, auf dem die Reben wachsen und den Trauben eine würzige Mineralik spendieren. Dabei kommt Meyer-Näkels Kräuterberg die Reife äußerst delikat zugute. Die Jury notierte »ätherische Anmutung mit rauchigen Nuancen und eine animierende Länge nebst elegant gereiften Gerbstoffen.« (93 Punkte)

2010 Retzbacher Benediktusberg Spätburgunder, Weingut Rudolf May, FRANKEN

Wiewohl sich Weinbau in der Familie May rund 300 Jahre zurückverfolgen lässt, wurde das eigene Weingut erst 1998 von Rudolf May gegründet. Die Entscheidung, von nun an Weine in eigener Verantwortung zu erzeugen, kann keine schlechte gewesen sein. In Franken gibt es nur wenige Weingüter, die in den letzten Jahren für mehr Aufmerksamkeit mit ihren Tropfen gesorgt haben. Dass die vornehmlich aus der weißen Sorte Silvaner bestehen, ist einer Region geschuldet, die bis heute einer Rebsorte die Stange hält, die einst zu den meist angebauten in ganz Deutschland gehörte. Wo ihr Anbau zurückging, blieb sie in Franken vergleichsweise stabil. Von dieser Erfahrung profitieren Frankens Winzer heute. Bei den hochwertigen Rotweinen dieser Region spielt der Spätburgunder die Hauptrolle. Da lohnt es unbedingt, auch beim Weingut May einmal genauer hinzuschauen. Beim 2010er aus dem Benediktusberg verging den Verkostern Hören und Sehen, wenn sie seine »unglaubliche Frische, vibrierende Säure sowie straffe Struktur« belobigten und bis zum Schluss nicht fassen wollten, dass dieser Spätburgunder eine Dekade derart alterslos überleben konnte. (93 Punkte)

2010 Großkarbacher Burgweg Spätburgunder, Weingut Zelt, PFALZ

Soll noch einmal jemand sagen, Weine, die vorwiegend auf Lössböden gewachsen sind, laufen früh zu Höchstform auf, haben aber nur selten das Potenzial in Würde zu reifen. Der Burgweg vom Weingut Zelt präsentiert sich in geradezu atemberaubender Verfassung. Wäre den Juroren nicht bekannt gewesen, dass sie es mit einem Spätburgunder aus dem Jahrgang 2010 zu tun bekommen, sie hätten mit größter Wahrscheinlichkeit einen weitaus jüngeren Wein vermutet. Anders lassen sich ihre Notizen nämlich nicht deuten. Von »dunklen Fruchtkörben« ist da ebenso die Rede wie »zupackenden Gerbstoffe und ein lebhaftem Abgang« in den höchsten Tönen gelobt werden. Mario Zelt schreibt über die Philosophie seiner Arbeit in Weinberg und Keller: »Man soll unseren Weinen anmerken, dass sie mit Herz und Verstand gemacht sind.« Die Verkostung beim LagenCup konnte diese Einschätzung nicht nur bestätigen, sondern überdies zeigen, dass beide, Herz und Verstand, für viele Jahre köstlichster Entwicklung gut sind. (93 Punkte)

2010 Bissersheimer Goldberg Spätburgunder, Weingut Wageck, PFALZ

Den Namen Pfaffmann gibt es in der Pfalz wie Sand am Meer – auch bei den Weingütern. Das allein war allerdings nicht der Grund, weshalb sich Thomas und Frank Pfaffmann vor einigen Jahren dazu entschlossen, das Projekt Wageck aus ihrem Weingut Pfaffmann herauszulösen. Den Brüdern ging es um eine Premiumlinie, die sie unabhängig vom Familienweingut etablieren wollten. Wenn es zum Großteil Weine der Burgunderfamilie sind, mit denen die beiden bereits kurz nach der Lancierung von Wageck reüssieren konnten, wird schnell klar, wohin die Reise bei diesem Projekt gehen soll. Der 2010er aus dem kalkreichen Goldberg kann gewissermaßen noch als Testballon des Wageck-Projekts gelten, denn die ersten Weine mit neuer Ausstattung kamen erst mit dem Jahrgang 2012 auf den Markt. Die Jury schwärmte von »pfeffriger Reife und einer ebenso drahtigen wie kernigen Struktur«, was im Rückblick sicherlich als Indiz dafür gelten darf, dass die Brüder mit der Gründung ihrer Wageck-Linie eine goldrichtige Entscheidung getroffen haben. Gut, der Name des Weinbergs klingt in diesem Kontext auch ziemlich passend. (93 Punkte)

2010 »Crescentia« Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Spätlese, Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach, RHEINGAU

Im Rheingau, womöglich in ganz Deutschland und darüber hinaus, gibt es kaum ein Weingut, dass eine derart lange Geschichte im Anbau des Spätburgunders vorweisen kann. Wenn auch ungewiss ist, dass es die Mönche des Zisterzienser-Ordens waren, die diese Rebsorte einst aus dem Burgund in den Rheingau brachten, so darf als gewiss gelten, dass die Glaubensmänner es zu einiger Expertise beim Anbau von roten Rebsorten am Rhein brachten. Bis heute spielt der Spätburgunder im Staatsweingut Kloster Eberbach eine herausragende Rolle. Die besten Gewächse werden mit dem Titel Crescentia bedacht und verfügen über ein außerordentliches Potenzial. Dabei fiel der Jury im Kontext der Reife eine »beachtlich jugendliche Säure« sowie ein »Ausbund frischer, roter Früchte« auf. Die Frage nach einem typischen deutschen Spätburgunder stellt sich in letzter Zeit stets öfter. Um dem auf den Grund zu gehen, eignen sich hervorragend gereifte Exemplare womöglich am besten. Der 2010er aus dem Höllenberg könnte bei dieser Arbeit sowohl wichtige als auch köstliche Hinweise geben. (93 Punkte)

2010 Westhofener Morstein Spätburgunder, Weingut Gutzler, RHEINHESSEN

Der Name dieser weltberühmten Weinlage rührt nicht etwa von einem Moor her, das sich an dieser Stelle einmal befunden hat, sondern leitet sich vermutlich von dem Wort »Marstein«, einem Markstein ab. Die wertvollsten Parzellen sind von Mergel sowie massiven Kalkbänken geprägt und bieten optimale Voraussetzungen für die Erzeugung von Premiumweinen. Dass die nicht ausschließlich aus Riesling bestehen müssen, macht das Weingut Gutzler bereits seit vielen Jahren mit exzellenten Spätburgundern deutlich. Es verwundert daher wenig, dass der Anteil von roten Sorten bei den Gutzlers für rheinhessische Verhältnisse ungewöhnlich hoch ist. Ihr 2010er hat in den letzten Jahren an Reife gewiss zugelegt. Die Jury notierte einen Duft nach »Hagebutte und eingemachten Waldbeeren und schwarzem Tee« und lobte »eine frische Säure, die für Biss und Trinkspaß sorgt.« (93 Punkte)

2010 Westhofener Brunnenhäuschen Spätburgunder, Weingut Gutzler, RHEINHESSEN

Den Grundstein für den exzellenten Ruf, den die Rotweine des Weinguts Gutzler heute besitzen, legte Gerhard Gutzler vor rund 40 Jahren. Was umso erstaunlicher ist, da der Großteil Rheinhessens Spitzenweine – damals wie heute – aus Riesling besteht. Gutzlers Umgang beim Ausbau seiner Rotweine in kleinen, französischen Eichenholzfässern geriet in jedem Jahr subtiler. Selbst dem als robust bekannten Dornfelder rang er nie geahnte Qualitäten ab.  Von dieser Erfahrung und Expertise profitiert heute sein Sohn Michael, der sich meisterhaft darauf versteht, die Handschrift seines viel zu früh verstorbenen Vaters weiter zu verfeinern. Beim 2010er Brunnenhäuschen nahm die Jury den Duft von »Hagedorn, Unterholz und Kirschen« wahr und schwärmte von »einer unglaublichen Feinheit«, was einerseits für eine angemessene Reife spricht und andererseits über das famose Potenzial dieses Spätburgunders Auskunft gibt. (93 Punkte) 

2010 Hebsacker Lichtenberg Spätburgunder GG, Weingut Jürgen Ellwanger, WÜRTTEMBERG

Mit rund 65 Prozent roten und 35 Prozent weißen Rebsorten verfügt das Weingut Ellwanger über ein typisches Portfolio im Anbaugebiet Württemberg. Bei den einzelnen Varietäten gibt man sich experimentierfreudig. So ist der österreichische Zweigelt bereits seit über 30 Jahren in den Weinbergen der Ellwangers heimisch, dessen Weine heute quasi zum Kern der Familie gehören. Dabei kommt der Spätburgunder längst nicht zu kurz, wenn die Jury beim 2010er von einem »dunkelsaftigen Duft« und »präsenten, aber reifen Gerbstoffen« sowie einem »nachhaltigen Abgang« zu berichten wusste. Dass der Wein einem kraftvoll-saftigen Stil frönt, hat er nicht zuletzt seiner Lage zu verdanken: Im südlich ausgerichteten Lichtenberg mit seinen steilen Hängen aus Keuper und buntem Mergel gelangen die Trauben auch in vermeintlich kühleren Jahren zu voller Reife. (93 Punkte)

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